|
Polen Im geometrischen Herzen Europas gelegen, teilt Polen seine Grenzen
im Westen mit Deutschland, im Süden mit der Tschechischen Republik und
der Slowakei, im Norden mit der Enklave Königsberg (Russische Föderation)
und im Osten mit Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Das Klima ist
kontinental: warme Sommer und kalte Winter. Der Großteil des Landes
besteht aus Ebenen, aber der Süden ist eher bergig (Sudeten und
Karpaten). Die polnischen Industriestädte zählen zu den am stärksten
verschmutzten in ganz Europa, aber gleichzeitig besitzt das Land den
letzten Urwald Europas, und 27 % seines Hoheitsgebiets sind bewaldet. Eine
andere aufschlussreiche Zahl: 38 % der polnischen Bevölkerung leben auf
dem Land, verglichen mit einem Durchschnitt von 14 % in der Europäischen
Union. Polen hat es verstanden, trotz der gewaltigen Verschiebungen des
Verlaufs seiner Grenzen während seiner langen Geschichte seine nationale
Identität zu bewahren. Im 16. Jahrhundert war Polen der größte Staat
Europas. Im 19. Jahrhundert verschwand es im wahrsten Sinne des Wortes von
der Landkarte, um 1918 in Form einer parlamentarischen Republik wieder
aufzuerstehen. Im Lauf des zweiten Weltkriegs hat Polen einen schweren
Tribut gezahlt: Ein Viertel der polnischen Bevölkerung, darunter drei
Millionen Juden, wurde von den Nazis ermordet. Wandel und Reformen Nach der Befreiung findet sich Polen unter sowjetischem Einfluss
wieder. Die großen Streiks, die 1980 im Land ausbrechen, führen zur
Entstehung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc, die von Lech Walesa
geleitet wird. Damit zeichnet sich ein politischer Umschwung ab. Im Jahr
1988 wird Solidarnosc legalisiert. Im Anschluss an die ersten freien
Wahlen übernimmt Tadeuz Mazowiecki (Mitglied der unabhängigen
Gewerkschaft) das Amt des Premierministers. 1990 wird dann Lech Walesa zum
Präsidenten der Republik gewählt. Das Zeitalter des politischen Wechsels
und der Marktwirtschaft hat begonnen. In wirtschaftlicher Hinsicht hat
Polen in den letzten 50 Jahren erhebliche Veränderungen erlebt. Nach dem
zweiten Weltkrieg setzt das Land auf die Schwerindustrie und erschließt
seine Mineralschätze wie etwa Kohle oder Schwefel. Gleichzeitig bleibt
Polen ein Agrarland. Eine Besonderheit gegenüber den anderen
sozialistischen Systemen der Epoche: vier Fünftel der Felder werden
privat bewirtschaftet. Aber die Durchschnittsgröße der Betriebe liegt
bei 8 ha, und ihre Erträge sind gering. Unter den veränderten Verhältnissen
in den 80er Jahren nimmt das Land eine zweifache Wirtschaftsreform in
Angriff: Einerseits wendet es sich verstärkt der weiterverarbeitenden
Industrie zu, und andererseits werden die Unternehmen massiv privatisiert.
Zwischen 1991 und 1996 gehen beispielsweise 25 % der Unternehmen in
private Hände über. Soziale und regionale Disparitäten Heute hat die Regierung drastische Sparmaßnahmen ergriffen
(erhebliche Kürzungen der öffentlichen Ausgaben, Reduzierung von
Sozialleistungen), um das Haushaltsdefizit um die Hälfte zu verringern.
Diese Politik hat soziale Probleme bei der Bevölkerung ausgelöst, vor
dem Hintergrund eines gewaltigen Einkommensgefälles. Polens nationale Übersichtstabellen
zeigen eine differenzierte Situation. Die Inflation ist deutlich zurückgegangen:
30,4 % im Jahr 1994, 12,5 % im Jahr 1997, 8,5 % im Jahr 2000 und ungefähr
2 % im Jahr 2002. Das Wachstum hingegen hat sich von 4 % im Jahr 2000 auf
1,7 % im Jahr 2001 und 1 % im Jahr 2002 verlangsamt. Gleichzeitig steigt
die Arbeitslosigkeit: Die Quote der arbeitslosen Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter hat sich von 15 % im Jahr 2001 auf fast 20 % im Jahr 2002 erhöht.
Die regionalen Disparitäten sind in Polen weiterhin sehr ausgeprägt –
in den Großstädten konzentrieren sich die neuen Aktivitäten, während
die ländliche Wirtschaft zurückbleibt. In einem Bericht aus dem Jahr
1999 (1) machte das Internationale Arbeitsamt
mehrere Faktoren für die regionalen Ungleichgewichte in Polen
verantwortlich. Unter anderem wies das IAA auf die „offenkundig unzulängliche
Infrastruktur außerhalb der Großstädte und den Mangel an Straßen und
Schienenwegen sowie auf die Misere im Bereich der Telekommunikation“
hin. Lauter Elemente, die dem Handel und der Entwicklung der ländlichen
Gebiete im Weg stehen könnten. Der Vorteil Europa In den letzten Jahren hat Polen seinen Beitritt zur Europäischen
Union aktiv vorbereitet. Im Anschluss an eine 1998 gestartete
Verwaltungsreform wurde das Hoheitsgebiet in 16 Regionen unterteilt. Im
Jahr 2002 hat das Land die Verwaltungsstrukturen eingesetzt, die für die
Umsetzung der Strukturfonds und des Kohäsionsfonds zuständig sein
werden. Im Übrigen hat Polen der Kommission seinen ersten nationalen
Entwicklungsplan für den Zeitraum 2004-2006 vorgelegt, der als Grundlage
für die Festlegung des gemeinschaftlichen Unterstützungsrahmens dienen
wird. Polen profitiert bereits von den verschiedenen Heranführungsprogrammen.
Für den Zeitraum 2000-2006 hat das ISPA (strukturpolitisches Instrument
zur Vorbereitung auf den Beitritt) dem Land Fördermittel zwischen 385 und
398 Mio. EUR pro Jahr gewährt. Über Sapard (ländliche Entwicklung) erhält
Polen für den gleichen Zeitraum jedes Jahr durchschnittlich 168,6 Mio.
EUR. Und im Rahmen des Programms Phare, das seit über zehn Jahren die
Modernisierung der mittel- und osteuropäischen Länder begleitet, belief
sich Polens jährliche Dotierung zwischen 2000 und 2002 auf 398 Mio. EUR.
Als Mitglied der Union wird das Land umfassende europäische Beihilfen
erhalten. Nach den im Rat von Kopenhagen (Dezember 2002) festgelegten
Verteilerschlüsseln werden für Polen zwischen 45,65 % und 52,72 % der
gesamten für die neuen Mitgliedstaaten vorgesehenen Mittel des Kohäsionsfonds
bereitgestellt. Allein für das Ziel 1 soll das Land 7 320,7 Mio. EUR
(Preise von 1999: 13 234,3 Mio. EUR für alle „Zehn“) bekommen, also
mehr als die Hälfte der geplanten Gemeinschaftsbeihilfen. QUELLE inforegio Panorama Europäische
Union Regionalpolitik Fläche 312 680 km2 Bevölkerung 38 700 000 Einwohner Dichte: 124 Einwohner/km2 (EU-15: 118 Einwohner/km2) Wirtschaft und Beschäftigung BIP-Index/pro Kopf in KKP (2002): 41,1 (EU-15: 100) Arbeitslosenrate (Dezember 2002): |