Die Tschechische Republik

Die Tschechische Republik entspricht den historischen Gebieten Böhmen und Mähren, die zwischen 1526 und 1918 unter der Herrschaft des Hauses Habsburg standen. Wie auch die Slowakei ist die Tschechische Republik im Januar 1993 bei der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten entstanden. Bei einer Gesamtfläche von 78.866 km2 weist die Tschechische Republik ein relativ gebirgiges Profil auf. Sie ist hochgelegen und wird manchmal als “Wasserturm Mitteleuropas” bezeichnet, weil hier zahllose Bäche und Flüsse entspringen, darunter Elbe und Oder, die natürliche Verbindungen zu Nord- und Ostsee darstellen. Die Tschechische Republik hat ungefähr 10.280.000 Einwohner, was eine Bevölkerungsdichte von 132 Einw./km2 ergibt. Die Besiedlung ist relativ ausgewogen und verteilt sich auf eine Vielzahl von kleinen und mittleren Städten. Es gibt nur wenige Großstädte. Prag, zugleich Hauptstadt und mit einer Einwohnerzahl von 1.300.000 die weitaus  größte Stadt des Landes, hat der Aktivität der drei anderen Großstädte Brünn (400.000), Ostrau (350.000) und Pilsen (180 000)keinen Abbruch getan.

Ressourcen... menschlicher Natur

Trotz des Fehlens bedeutender natürlicher Ressourcen waren die tschechischen Gebiete über lange Zeit eine der höchstentwickelten Regionen Europas. Von 1945 bis 1989 konnte das Land auf einen der höchsten Lebensstandards des sowjetischen Blocks verweisen.  Indessen war fast alles Eigentum verstaatlicht, und der Außenhandel beschränkte sich fast ausschließlich auf die anderen Ostblockstaaten. Bei der Wiedereinführung der Marktwirtschaft mussten daher die Grundlagen fast aus dem Boden gestampft werden. Jedoch verfügte das Land über stabile Infrastrukturen und der Privatisierungsplan hat die Privatisierung weiter Bereiche der Ökonomie erleichtert. Er beruhte auf dem Prinzip, den Bürgern den Kauf preisgünstiger Coupons zu ermöglichen, die später gegen Aktien der Unternehmen getauscht werden konnten. Mit Hilfe des Fonds für Nationaleigentum (FNM) hat die Regierung mittlerweile 97% der im Jahre 1991 vorgesehenen Privatisierungen abgeschlossen. Der private Sektor ist fest im Sattel und macht den bei weitem größten Teil der tschechischen Wirtschaft aus. Im Jahr 2001 wurden 79,8% des BIP von privaten Unternehmen erwirtschaftet. Seit 1989 hat die tschechische Wirtschaft eine unregelmäßige Entwicklung durchgemacht, bei der Wachstumsphasen (1993-96 und 2000-01) und Rezessionen (1989-92 und 1997-99) einander ablösten. Die katastrophalen Überschwemmungen, die das Land im August 2002 heimgesucht haben, könnten sich kurzfristig ebenfalls auf die wirtschaftlichen Leistungen auswirken und den aktuellen ökonomischen Aufschwung verlangsamen. Seit dem Jahr 2000 hat die Tschechische Republik hinsichtlich der Konvergenz der Realeinkommen mit der Europäischen Union nur geringe Fortschritte erzielt. Im Jahr 2001 entsprach das Pro-Kopf- Einkommen (ausgedrückt in Kaufkraftstandards) nur 57% des gemeinschaftlichen Mittels. Hinsichtlich des Einkommensniveaus sind die Unterschiede zwischen der Hauptstadt und dem Rest des Landes stark ausgeprägt. Prag erreicht 124% des gemeinschaftlichen Mittels, während alle anderen Regionen unterhalb der Schwelle von 75% bleiben. Insgesamt jedoch lässt sich der Erfolg nicht leugnen: Von ihrer Kaufkraft her ist die Tschechische Republik der viertreichste unter den zukünftigen Mitgliedstaaten, nach Zypern, Malta und Slowenien. Die Aussichten für eine neue Entwicklung des Landes sind ausgezeichnet, vor allem dank des hohen Qualifikationsniveaus der Arbeitskräfte: laut einer Studie der OECD(1) weist die Tschechische Republik unter allen Mitgliedstaaten der Organisation die höchsten Prozentanteile von Universitätsabsolventen aus den Bereichen Wissenschaft und Technik auf.

Neuentwicklung von Industrie, Tourismus und Handel

Die tschechische Landwirtschaft erwirtschaftete im Jahr 2001 4,2% des Bruttomehrwerts, bei einem Anteil von 4,6% an der Gesamtzahl der Beschäftigten. Die Landwirtschaft hat eine längere und tiefere Rezession durchgemacht; im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft hat sie praktisch keinen Aufschwung erlebt. Der Sekundärsektor seinerseits trägt 42% zum BIP bei. Seit 1989 sind etliche unrentable Betriebe und Bergwerke stillgelegt worden. Schwer- und metallverarbeitende Industrie bleiben auch weiterhin von Bedeutung, obgleich die traditionellen Industrien (Schuhwerk, Glas, Textil) neu angekurbelt worden sind. Der Tertiärsektor macht 53% des BIP aus. Seit 1990 hat der Tourismus einen deutlichen Aufschwung erlebt, und Prag  ist eine der meistbesuchten Hauptstädte Europas geworden. Auch der Rest des Landes mit seinen 2.500 Burgen und 900 Thermalquellen (Weltrekord) ist äußerst attraktiv. Seit einigen Jahren empfängt die Tschechische Republik jährlich rund 12 Millonen Besucher. Außerdem haben die Tschechen es geschafft, ihren Außenhandel nach Westen zu orientieren und umfangreiche Kredite und Investitionen aus dem Ausland einzuwerben. Der Handel mit der Europäischen Union nimmt weiterhin zu. Im Jahr 2001 belief das Exportvolumen der Europäischen Union in di Tschechische Republik sich auf 27,3 Milliarden Euro, das sind 61,8% der tschechischen Importe, während die Importe der Union aus der Tschechischen Republik ein Volumen von 25 Milliarden Euro erreichten, das sind 68,9% der tschechischen Exporte. Den Löwenanteil der EU-Exporte in die Tschechische Republik machten im Jahr 2001 Maschinen, Elektrogeräte, Verkehrsausrüstungen und unedle Metalle aus. Die meisten tschechischen Exporte in die Gemeinschaft betrafen außer den gleichen Produkten auch Textilien.

Eine “europäische” Regionalstruktur

Am 1. Januar 2000 hat die Tschechische Republik ihre 7 Verwaltungseinheiten in 14 neue Einheiten aufgeteilt. Es handelt sich dabei um “Länder”, die sich an deutsch-österreichischen Vorbildern orientieren und über eine gewisse Autonomie verfügen. Des Weiteren definiert ein Gesetz aus dem Juni 2000, das der regionalen und lokalen Entwicklung gewidmet ist, acht “Kohäsionsregionen” auf der Ebene NUTS II. 73 Bezirke (“okresi”) und vier Gemeinden (“mesto”) bilden die Basiseinheiten der territorialen Organisation. Während der Periode 2000-2002 gewährte die Europäische Union der Tschechischen Republik zur Vorbereitung ihres Beitritts jährlich finanzielle Beihilfen in einem Gesamtumfang von ungefähr 79 Millionen Euro aus dem Programm Phare (Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Übergangs), 22 Millionen Euro aus dem Programm SAPARD (Landwirtschaft und Entwicklung des ländlichen Raums) sowie zwischen 57 und 83 Millionen Euro aus dem Programm ISPA (Infrastrukturprojekte in den Bereichen Umwelt und Verkehr). Der Gipfel von Kopenhagen beschloss, im Zeitraum 2004-2006 für die Tschechischen Republik Mittel in folgender Zusammensetzung bereitzustellen: 1.286,4 Millionen Euro unter Ziel 1; 63,3 Millionen Euro unter Ziel 2; 52,2 Millionen Euro unter Ziel 3; 60,9 Millionen Euro aus der Initiative INTERREG und 28,4 Millionen aus der Initiative EQUAL. Insgesamt werden die Strukturfonds und der Kohäsionsfonds voraussichtlich mehr als 2.327 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

 QUELLE

inforegio Panorama

Europäische Union Regionalpolitik

Fläche

78.866 km2

Bevölkerung

10.299.125 Einwohner

Bevölkerungsdichte: 131 Einw./km2

(EU-15: 118 Einw./km2)

Wirtschaft und Beschäftigung

Pro-Kopf-BIP (2001): 13.300 EUR

(EU-15: 23.200 EUR)

Index Pro-Kopf-BIP/KKS (2001):

57 (EU-15: 100)

Arbeitslosenquote (2002):

7,7% (EU-15: 7,7%)