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Ungarn Mit
voller Kraft voraus! Dank
seiner seit 1995 unaufhaltsam wachsenden Wirtschaft ist Ungarn, was seine
volle Integration in die Europäische Union anbelangt, in einer sehr günstigen
Position. Die Ungarn wissen das am besten: Bei dem Volksentscheid am 13.
April 2003 sprachen sich 83,8 % von ihnen für den Beitritt aus. Das von Österreich, der Slowakei, der Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien umgebene Ungarn ist einer der ältesten Staaten Mitteleuropas. Sein Territorium, in geringer Höhe über dem und ohne Zugang zum Meer, setzt sich aus drei großen Gebieten zusammen. Im Süden eines „ungarischen Rückens“, der auf 400 km mehrere Bergmassive (und den Kekes, mit 1 015 m Ungarns höchster Berg) umfasst, teilt die Donau das Land in zwei Ebenen: im Westen Transdanubien, begrenzt durch das Mecsek-Gebirge und die letzten Piemonts der österreichischen Alpen, im Osten die ungarische Tiefebene Alföld. In Ungarn herrscht ein relativ trockenes Kontinentalklima. Budapest
und die „ungarische Wüste“? Zwei
Drittel der rund 10 Millionen Ungarinnen und Ungarn leben in den Städten,
angefangen bei Budapest (2 Millionen Einwohner), Hauptstadt und
Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes. Die Vormachtstellung dieser
Metropole ist derart ausgeprägt, dass man – wie seinerzeit für Paris
und die französischen Regionen – von „Budapest und der ungarischen Wüste“
sprechen könnte: Trotz aller Dekonzentrationsbemühungen entfallen mehr
als ein Viertel der Arbeitsplätze in der Industrie, ein gutes Viertel des
Einzelhandelsumsatzes und etwa ein Drittel der Ärzte und
Krankenhausbetten auf die ungarische Hauptstadt, und die meisten
Forschungsinstitute sind ebenfalls hier angesiedelt. Dabei gibt es in
Ungarn eine Reihe mittelgroßer Städte: Debrecen (214 000 Einwohner),
kommerzieller Mittelpunkt einer großen Agrarregion, Miskolc (194 000
Einwohner), Sitz der Metall verarbeitenden Industrie, Szeged (176 000
Einwohner), Verteilungszentrum für die Agrarerzeugnisse der ungarischen
Tiefebene, aber auch Hochburg der chemischen Industrie, und Pécs (170 000
Einwohner), Zentrum der Leichtindustrie. Die ländlichen Gebiete wiederum
nehmen 67 % des ungarischen Territoriums ein. Dauerhaftes
Wirtschaftswachstum In
Ungarn ist der sozioökonomische Übergang im Anschluss an den
Zusammenbruch des Kommunismus sanfter verlaufen als anderswo. Nach einer
schweren Rezession hat der Aufschwung der ungarischen Wirtschaft bereits
1994 begonnen. Dank des 1995 gestarteten makroökonomischen
Angleichungsprogramms ist das BIP zwischen 1995 und 2000 jedes Jahr stetig
um 4-5 % gestiegen. Die Inflationsrate, bis Mitte des Jahres 2001 bei der
10%-Marke, konnte nach und nach gesenkt werden und lag im August 2003 bei
4,7 % pro Jahr. Und die Arbeitslosenquote – 5,8 % im Jahr 2003 – gehört
zu den niedrigsten der EU-Beitrittsländer. Es gibt jedoch zwei Aspekte,
die weitere Bemühungen erfordern: Die hohe öffentliche
Auslandsverschuldung ist verringert worden, beträgt aber immer noch über
50 % des BIP. Das Haushaltsdefizit belief sich im Jahr 2002 auf 6 % des
BIP. Die Situation dürfte sich 2003 verbessern, aber unter 5 % des BIP
wird dieses Defizit nicht fallen. Parallel zur makroökonomischen
Angleichung ist der Privatisierungsprozess weit fortgeschritten. Unter den
mitteleuropäischen Ländern hat Ungarn eine der höchsten Quoten an ausländischen
Direktinvestitionen vorzuweisen, was erheblich zur Modernisierung der
Produktionsstrukturen und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
beigetragen hat. Gesteuert wurde der Wirtschaftsaufschwung von den
exportorientierten Sektoren, darunter auch Agro-Lebensmittel. 80 % der
ungarischen Exporte gehen in die Europäische Union. Dabei handelt es sich
in der Hauptsache um Transportmaschinen und -ausrüstungen,
landwirtschaftliche Erzeugnisse, chemische Produkte, Apparaturen, Textil,
Eisen und Stahl sowie Wein. Die größten Importe entfallen auf
Transportmaschinen und -ausrüstung, nichtraffiniertes Erdöl, chemische
Produkte und Erze. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet 63 % des BIP
und beschäftigt 48 % der erwerbstätigen Bevölkerung. Der Tourismus hat
einen gewaltigen Aufschwung genommen. Bereits 1993 empfing das Land 33
Millionen ausländische Besucher. Diese Zahl ist bisher praktisch unverändert
geblieben, und laut der Welttourismus-Organisation (WTO) lag Ungarn 2001
als Bestimmungsort des internationalen Tourismus an 12. Stelle. Regionale
Entwicklung: ein geeigneter politischer Rahmen Im
Jahr 1996 verabschiedete Ungarn das Gesetz über die regionale Entwicklung
und Raumordnung. Damit hat es sich als erstes Land Mitteleuropas einen
Rechtsrahmen zugelegt, der deutliche Ähnlichkeiten mit der
Regionalpolitik der Europäischen Union aufweist. Dieses Gesetz führt auf
kommunaler Ebene Bezirksausschüsse für die regionale Entwicklung ein.
1998 wurden 7 statistische Regionen gebildet, die europäische Fördermittel
erhalten. Diese Regionen werden von regionalen Entwicklungsräten
geleitet, in denen der Staat weiterhin ein wichtiges Wort mitzureden hat.
Ungarn, zusammen mit Polen das erste von Phare geförderte Land, hat im
Laufe des Förderzeitraums 1990-2000 von diesem Programm 1,030 Mrd. EUR
und zwischen 2000 und 2002 weitere 96 Mio. EUR erhalten. Darüber hinaus
kommt Ungarn in den Genuss der Hilfen zur Vorbereitung auf den Beitritt im
Rahmen von ISPA (Verkehr und Umwelt) und Sapard (Entwicklung des ländlichen
Raums). Diese beliefen sich im Jahr 2002 auf 93,9
bzw. 39,8 Mio. EUR. Zwischen
2004 und 2006 wird Ungarn unter Ziel 1 der Strukturfonds knapp 2 Mrd. EUR
und im Rahmen des Kohäsionsfonds im Schnitt über 1 123 Mio. EUR
erhalten. Dazu kommen fast 100 Mio. EUR von den Gemeinschaftsinitiativen
Interreg III (68,67 Mio. EUR) und EQUAL (30,29 Mio. EUR). Fläche
93
030 km2 Bevölkerung
10
164 000 Einwohner Bevölkerungsdichte: 109 Einw./km2 (EU-15:
118 Einw./km2) Wirtschaft
und Beschäftigung Index
Pro-Kopf-BIP/KKS (2002): 57 (EU-15: 100) Arbeitslosenrate (2002): 5,8 %
(EU-15: 7,6 %) |