|
Sportler
geben dem Erinnern Raum Wolfhang
Kern begrüßt Radfahrer am Gedenkstein in Weida Auf
der Strecke, über die vor 63 Jahren und vier Tagen Buchenwaldhäftlinge
auf ihrem Todesmarsch getrieben wurden, absolvierten gestern Sportler den
22. Buchenwaldgedenklauf. Organisiert hatte diese Form des Erinnerns
erneut die Basisgruppe Gera des Thüringer Verbandes der Verfolgten des
Naziregimes/Bund der Antifaschisten e.V. Am
späten Nachmittag des 12. April 1945 erreichten fast 3000 Häftlinge aus
Weimar kommend Caaschwitz. Noch in der Nacht zogen sie nach Gera weiter,
wo sie am frühen Morgen des 13. April eintrafen. In der Köstritzer Flur
starben 43 Häftlinge. Sie wurden auf dem Friedhof der Stadt beigesetzt.
An dem großen Grab sprach gestern Bürgermeister Dietrich Heiland (CDU)
zu fast 40 vor allem jungen Menschen. Er ermunterte sie zu der Begegnung
mit Zeitzeugen, was eine viel größere Sensibilität für die Zeit der
Barbarei hervorrufe, aber immer weniger möglich ist. Das
Gedenken bedeute nicht nur Trauer, sondern schließt Mahnung ein.
"Menschenrechte, Freiheit und Demokratie sind hohe Güter und es
braucht immer wieder Menschen, die sich für sie stark machen",
ermunterte der Bürgermeister zu Zivilcourage. Christian Wegner wusste,
dass er wegen der Häftlinge an den Start geht. "Ich kenne ihr extra
großes Grab", sagte der Elfjährige. Vom Opfergedenken hatte Läuferin
Jennifer Zeh (16) gehört, nicht aber vom Todesmarsch, der durch Köstritz
geführt hatte. Damit
der Lauf nicht zur hohlen Symbolik verkommt, verteilten die Veranstalter
in Gera Faltblätter zu historischen Hintergründen. Wolfgang Willms vom
Verband sprach im Beisein des Landtagsabgeordneten Dieter Hausold
(Linke/PDS) vor fast 200 Teilnehmern - unter ihnen kein offizieller
Vertreter der Stadt - am neuen Gedenkstein im Küchengarten. Willms
verwies auf die Gefahr des Erstarkens neofaschistischer und
neonazistischer Tendenzen und ermutigte zum "Schulterschluss im
antifaschistischen Geist". Den unter der Federführung des
Stadtsportbundes erstmals im sanierten Küchengarten veranstalteten
Staffellauf Geraer Sportvereine, gewannen die Sportler des
Rollschnelllaufvereins Blau-Weiß Gera. Wie sie legten alle Läufer eine
rote Nelke nieder. In
Gera starteten Mitglieder des Radfahrerclubs Solidarität 1895 e.V. nach
Weida. Wie vor ihnen die Läufer, wurden sie von zwei Fahrzeugen der
Polizeiinspektion Gera begleitet. Nach Zwischenstopps auf dem Südfriedhof
, am Gedenkstein in der Zwötzener Siedlung und an der Friedensbrücke
Liebschwitz, erlebten die Radfahrer das Weidaer Gedenken auf dem Platz der
Freiheit. Dort warteten auch Kinder mit Blumen. Wolfgang Kern (Linke/PDS)
sprach vor 65 Menschen im Auftrag der Stadt und des Stadtrates und begrüßte
die Landtagsabgeordnete Heidrun Sedlacik (Linke/PDS). Er erinnerte, dass
in der Turmstraße und an der Stadtgrenze zu Teichwitz Häftlinge
erschossen worden waren und einer in der Brüderstraße vor der SS flüchtete.
"Das Vermächtnis der Opfer weiter zu geben, dazu gehört für mich
das NPD-Verbot", so Kern.Es gibt Ermüdungserscheinungen des öffentlichen
Gewissens. Von
Sylvia Eigenrauch Bad Köstritz / Gera / Weida /OTZ/18.04.2008 |