Friedensfest in Gera, Karim Momand berichtet aus Afghanistan

 

Es war eine spannende Gesprächsrunde mit unserem Bundestagsabgeordneten Frank Tempel und dem gebürtigen Afghanen Karim Momand.

Die ca. 40 Zuhörer wollten wissen, was tatsächlich läuft und bekamen Hintergrundwissen. Die Bundeswehr behauptet auf ihrer Homepage: „ISAF unterstützt im Auftrag der Vereinten Nationen die afghanische Regierung bei der Wahrung der Menschenrechte, bei der Herstellung und Wahrung der inneren Sicherheit und bei der Auslieferung humanitärer Hilfsgüter sowie der geregelten Rückkehr von Flüchtlingen.“ Das sehen wir aber anders: In Afghanistan herrscht Krieg. Die NATO will dauerhaft Truppen in Afghanistan stationieren, weil das Land von strategischer Bedeutung gegenüber dem Nahen Osten, Zentralasien, Russland und China ist. Die Bundesregierung sieht in ihrem „Afghanistan-Engagement“ auch eine Chance, Deutschland wieder zur Großmacht zu machen.

Karim Momand berichtet, für die meisten Menschen vor Ort bedeutet der Krieg extreme Armut, Vertreibung und Gefahr für Leib und Leben. Das Bombardement zweier entführter Tanklastzüge, Anfang September 2009 auf Befehl der Bundeswehr durchgeführt von der US-Luftwaffe, machte endgültig klar, dass in Afghanistan ein erbitterter Krieg geführt wird, der wie in diesem Fall immer wieder zu zahlreichen zivilen Opfern führt. Was nützen die NATO-Truppen den Afghanen? Geht zumindest der Wiederaufbau voran, wollten wir wissen. Leider nein. Nur eine kleine wohlhabende Schicht profitiert von der Besatzung. Für die Mehrheit der Menschen in Afghanistan hat sich die soziale Lage weiter verschlechtert. Afghanistan ist das sechsärmste Land der Welt. Über 80% der Bevölkerung leben in völliger Armut auf dem Land. Das Analphabetentum ist groß,  50 bis 70 % der erwerbsfähigen Afghanen sind ohne regelmäßiges Einkommen.

Afghanistan hat eine große strategische Bedeutung, weil  von Afghanistan aus die Kontrolle über die Öl- und Gasfelder am Persischen Golf und in Zentralasien durchgesetzt werden kann. Darüber hinaus will man die Stärke gegenüber den konkurrierenden Wirtschaftsmächten China und Indien zeigen. In den zentralasiatischen Ländern Kasachstan und Turkmenistan liegen einige der größten Öl- und Gasfelder, die in den letzten Jahren entdeckt wurden.

Der Krieg in Afghanistan hat bis Anfang 2009 über 250 Milliarden Dollar gekostet. Das sind etwa 8.300 Dollar pro Einwohner. Das jährliche Bruttoinlandsprodukt Afghanistans lag bei etwa 460 Dollar pro Einwohner. Mit den Kriegsmilliarden hätte man viele soziale Probleme lösen können. Die Hilfe geht an den Menschen vorbei, weil die NATO- Besatzung den militärischen Sieg über den Widerstand zum Ziel hat und nicht die Bekämpfung von Armut und Not. Karim Momand empfiehlt deswegen, örtliche und traditionelle  Formen der Konfliktbearbeitung zu stärken. Die feste Ausrichtung auf die Stärkung der Zentralregierung und deren in Verruf geratene Behörden sei falsch. Denn die Menschen wenden sich überwiegend an Einrichtungen in ihren Dörfern und Gemeinden, um ihre Probleme zu lösen. Die Besatzer setzen dagegen vor allem auf den Aufbau gesamtstaatlicher Sicherheitsapparate wie Geheimdienst, Polizei und Armee. Krieg ist keine Lösung, sondern führt zu mehr Gewalt. Frieden kann nicht von außen verordnet werden, sondern muss im Land selber wachsen. Schon im 19. Jahrhundert hat das britische Kolonialreich versucht, Afghanistan zu erobern und willfährige Marionettenregimes einzusetzen. Es scheiterte am Widerstand der Einheimischen. Vor 30 Jahren versuchte die damalige Regierung mithilfe der sowjetischen Armee, der Bevölkerung von oben ihre Vorstellung einer modernen Gesellschaft aufzuzwingen. Ohne Erfolg. Nach zehn Jahren des Krieges mussten sich die sowjetischen Truppen zurückziehen. Heute sind die NATO und die Regierung Karzai so unbeliebt wie all die früheren Eindringlinge. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte können nicht mit Bomben und Kampfhubschraubern gebracht werden. Der Abzug der ausländischen Truppen ist die Voraussetzung für einen gerechten Frieden in Afghanistan. Den NATO Krieg in Afghanistan zu stoppen, wäre ein Schritt in Richtung einer Welt, in der nicht die Konkurrenz zwischen Menschen, Unternehmen und Staaten vorherrscht. Eine Welt, in der Geld ausgegeben wird, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, statt sie zu töten. Für eine solche Welt kämpft DIE LINKE innerhalb und außerhalb des Parlaments und Karim Momand hat uns sicher an seiner Seite!

Heidrun Sedlacik, MdL