Zu Besuch bei der Vereinigten Wohnungsgenossenschaft Arnstadt von 1954 eG (VWG)

Der Besuch der Arbeitsgemeinschaft Wohnen der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag bei der Vereinigten Wohnungsgenossenschaft Arnstadt von 1954 eG (VWG) zeigte, dass nachhaltige Stadtentwicklung ein Prozess ist, der die Städte als soziales, wirtschaftliches, kulturelles und politisches Gebilde in ihrer Gesamtheit erfasst und eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt, sagt Heidrun Sedlacik wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.

Nur gemeinsam könne dieser Prozess bewältigt und als Chance gestaltet werden.

 

Die VWG - gegründet im Jahr 1954 - nahm trotz aller auftretenden Probleme bisher eine vorbildliche Entwicklung wie der kaufmännische Vorstand der Genossenschaft Herr Hörold eingangs der Beratung die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft wissen ließ. Zusammengefunden hatten sich am 23. Oktober 2008 in den Geschäftsräumen der Genossenschaft ein Kreis aus Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Wohnen, Aufsichtsräten sowohl der Genossenschaft als auch der Wohnungsbaugesellschaft Arnstadt mbH, Stadträten aus Arnstadt aber auch aus Leipzig sowie weiteren wohnungspolitisch und städtebaulich Interessierten.

Die Genossenschaft habe aktuell 3.800 Mitglieder und bewirtschafte 3.759 Wohnungen überwiegend in Arnstadt, aber auch in Stadtilm, Gräfenroda, Ichtershausen und Plaue. Der Leerstand betrage 8 Prozent. Das Bauvolumen im Jahr 2008 belaufe sich auf 5,5 Mio. Euro, bilanzierte Herr Hörold.

Dass die Genossenschaft seit 2003 die wirtschaftliche Wende vollzogen hat, ist letztendlich dem beherzten Engagement sowohl des Vorstandes, der Mitarbeiter, zurzeit 21 an der Zahl zuzüglich zwei Azubis, und selbstverständlich der Genossenschaftsmitglieder selbst zu verdanken. Im Jahr 2006 wurde erstmal eine Dividende in Höhe von 2 Prozent des Geschäftsguthabens ausgezahlt. Dies habe zwar nur symbolischen Charakter, aber zeige einen gewissen Stabilisierungsfaktor, erläutert Herr Hörold stolz.

Das im Mai 2006 auch aufgrund der Nachfrage einiger Genossenschaftsmitglieder in Umlauf gebrachte Inhaberschuldverschreibungsmodell bzw. Anleihemodell habe der VWG

bereits 1 Mio. Euro beschert. 120 Mitglieder haben sich seither beteiligt und zu festen Zinsbeträgen gegen Aushändigung einer Urkunde der Genossenschaft Geld geliehen. Die VWG habe sich hinsichtlich dieser Anleihen Verwendungsnachweise formuliert. Es werde keinesfalls spekuliert. Vielmehr werde das Geld unter anderem für zusätzliche Baumaßnahmen und außerplanmäßige Reduktion der Darlehensverbindlichkeiten verwendet, erläutert der Vorstand Herr Hörold einiger der Vorteile dieser sicheren Anlageform, die DIE LINKE im Thüringer Landtag auch für kommunale Wohnungsunternehmen befürwortet. Bisher sei dieser Weg jedoch für kommunale Wohnungsunternehmen nicht möglich, sagt Frank Kuschel, Mitglieder der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft Arnstadt mbH.  

Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es aber insbesondere mit Blick auf den demografischen Wandel noch einige Herausforderungen in der Stadtentwicklung zu bewältigen. Und diesbezüglich sehen die Prognosen für Arnstadt düster aus.

Vor dieser Aufgabe steht indes nicht nur die VWG, sondern auch die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Arnstadt mbH (WBG) – der zweite Großvermieter in Arnstadt, der durch Frau Loose-Pawlenko, Justiziarin der Gesellschaft vertreten war. In Arnstadt Ost lässt die WBG 52 barrierefreie Wohnungen in Rahmen der Initiative Generationswohnen „Gemeinsam statt einsam“ entstehen. Auch im Ortsteil Rudisleben werde saniert, erläutert Frau Loose-Pawlenko Beiträge der WBG zur Wohngebietsstabilisierung und –aufwertung.

Was die Entwicklung der Stadt anbelangt, stehen die beiden Großvermieter in Kontakt und ziehen gemeinsam an einem Strang. Stadtentwicklung ist jedoch ein Anpassungsprozess, der über viele Jahre geht und einer sinnvollen Kombination aus Abriss, Aufwertung und Neubau bedarf. Seit 2004 hat die Genossenschaft …. Wohnungen vom Markt genommen. Genauso notwendig wie der Abriss sei aber auch der Neubau, bezüglich dessen auch als Antwort auf die demografische Entwicklung grundsätzlich barrierefrei gebaut werde, sagt Herr Hörold. Aber nicht nur die Veränderung in der Altersstruktur, sondern auch der Abwanderungstrend bereitet den beiden Großvermietern Sorge. 

Hinsichtlich der Mietergewinnung gibt es jedoch kein abgestimmtes Konzept. Hier sei man Mitbewerber, aber kein Gegner, betonen sowohl Frau Loose-Pawlenko als auch Herr Hörold. Wirtschaftlich ist jeder für sich allein verantwortlich. Die VWG hat Kontakt mit den im Gewerbegebiet angesiedelten Firmen, um neue Kunden zu gewinnen. Auch werden möbellierte Wohnungen angeboten und diesbezüglich Verträge mit den angesiedelten Firmen geschlossen.

Einen großen Schub an Vermieteraktivitäten habe die Neuerschließung des Gewerbegebietes noch nicht bewirkt, wissen beide Wohnungsunternehmen übereinstimmend zu berichten. Bleibt abzuwarten, ob das neue Gewerbegebiet hier noch Potential in die Stadt bringt.

Dies betrifft auch das allgemeine Leben in Arnstadt, welches aktuell ruht.

Dies könne aber nicht die Wohnungswirtschaft allein stemmen, ist man sich unter den Teilnehmern der AG einig. Um die Attraktivität der Stadt insgesamt zu steigern und so insbesondere neue Einwohner zu gewinnen, ist das Zusammenwirken aller gefragt.

So bemühe sich die Stadt Arnstadt, eine kinder- und familienfreundliche Stadt zu werden, wobei aber einzelne Maßnahmen im Stadtrat leider nicht immer mehrheitsfähig sind. So habe beispielsweise die seitens der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat vorgeschlagen Zuzugsprämie in Höhe von 500 Euro, die sich innerhalb eines Jahres durch ein „Mehr“ an Schlüsselzuweisungen im KFA (750 Euro) schon amortisiert hätte, keine Mehrheit gefunden, berichten die anwesenden Stadträte mit Mandat DER LINKEN.

Die Mietpreise in den Beständen der VWG sind seit Jahren konstant. Erhöhungen und Anpassungen erfolgten nur bei Modernisierungsmaßnahmen in Höhe der gesetzlichen Möglichkeiten. Der Preistreiber seien die Energiekosten, kritisiert Herr Hörold. Die VWG habe zwar energetisch saniert, aber der Vorsprung werde durch die ständigen Preissteigerungen aufgefressen, untermauert er seine Kritik. Auch die Altschulden seinen ein Problem, welches schwer auf der Wohnungswirtschaft lastet, so werden von den Akteuren vor Ort zwei weitere Problemfelder benannt, die es künftig zu lösen gilt, um den bisher positiven Weg auch fortsetzen zu können. Der Unterstützung DER LINKEN können sie sich hier sicher sein. So fordert DIE LINKE nicht nur ein Umsteuern in der Energiepolitik, sondern schon seit Jahren eine generelle Altschuldenentlastung.

Die Erfahrungen aus Arnstadt zeigen, dass wir primär eine Stadt für die Menschen und nicht für den Verkehr, den Handel und die Industrie brauchen. Auch müsse das Wohnen für alle angemessen und bezahlbar sein. Wohnen – als zweite Säule der menschlichen Existenz neben der Arbeit - ist Menschenrecht und gehört als solches ins Grundgesetz. Die drei Säulen des Wohnens – genossenschaftliches, kommunales Wohnen und Wohneigentum - müssen ausgewogen nebeneinander stehen. Soziale Segregation muss nahezu ausgeschlossen werden, so lautet das Fazit von Heidrun Sedlacik, wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag auch mit Blick auf die für den 14. März 2009 geplante Stadtentwicklungskonferenz der Fraktion.  

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